Schmerzen beim Hund erkennen: Diese Anzeichen solltest Du ernst nehmen
Schmerzen beim Hund sind nicht immer leicht zu erkennen. Während manche Hunde deutlich lahmen, aufjaulen oder eine Berührung abwehren, zeigen andere nur kleine Veränderungen im Verhalten oder in ihren alltäglichen Bewegungen. Gerade chronische Schmerzen entwickeln sich häufig schleichend. Ein Hund bewegt sich möglicherweise weniger, schläft mehr oder möchte nicht mehr ins Auto springen. Solche Veränderungen werden schnell mit dem Alter, dem Charakter oder mangelnder Motivation erklärt – dabei können sie auf Schmerzen oder eine andere Erkrankung hinweisen. Je besser Du das normale Verhalten Deines Hundes kennst, desto früher kannst Du Veränderungen wahrnehmen und tierärztlich abklären lassen.
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Zeigen Hunde ihre Schmerzen immer deutlich?
Nein. Wie ein Hund Schmerzen ausdrückt, hängt unter anderem von der Ursache, Schmerzintensität, Dauer, individuellen Persönlichkeit, Vorerfahrungen und aktuellen Situation ab.
Einige Hunde suchen bei Beschwerden verstärkt die Nähe ihrer Bezugsperson. Andere ziehen sich zurück oder reagieren ungewöhnlich gereizt. Auch ein Hund, der frisst, mit dem Schwanz wedelt oder sich über seine Bezugsperson freut, kann Schmerzen haben.
Die Beurteilung erfolgt deshalb nicht anhand eines einzelnen Merkmals. Entscheidend ist das Gesamtbild aus:
Verhalten
Körperhaltung
Bewegung
Aktivität
Schlaf und Ruheverhalten
Futteraufnahme
Reaktion auf Berührungen
Veränderungen im Tagesablauf
Die internationalen Schmerzleitlinien der WSAVA weisen darauf hin, dass die Schmerzeinschätzung beim Hund vor allem auf Verhaltensbeobachtungen basiert. Einzelne körperliche Werte wie Herzfrequenz oder Atemfrequenz sind nicht eindeutig, weil sie auch durch Angst, Stress, Wärme oder andere Erkrankungen beeinflusst werden können.
Akute und chronische Schmerzen unterscheiden
Akute Schmerzen
Akute Schmerzen entstehen beispielsweise nach einer Verletzung, Operation oder plötzlich auftretenden Erkrankung. Die Veränderungen sind häufig deutlicher und lassen sich zeitlich eher einem Ereignis zuordnen.
Mögliche Hinweise sind:
plötzliches Aufjaulen
deutliche Lahmheit
Entlastung oder Hochhalten einer Gliedmaße
starke Unruhe
ungewöhnliches Hecheln
Zittern
gekrümmte oder angespannte Körperhaltung
Abwehr bei Berührung
plötzliche Bewegungsverweigerung
Chronische Schmerzen
Chronische Schmerzen bestehen über einen längeren Zeitraum und können beispielsweise bei Arthrose, Hüft- oder Ellbogendysplasie, Wirbelsäulenerkrankungen oder anderen degenerativen Veränderungen auftreten.
Die Anzeichen entwickeln sich häufig langsam:
Der Hund wird weniger aktiv.
Spaziergänge werden kürzer oder langsamer.
Das Aufstehen fällt zunehmend schwer.
Treppen oder Sprünge werden vermieden.
Der Hund schläft mehr oder zieht sich zurück.
Bestimmte Bewegungen werden verändert ausgeführt.
Die Muskulatur nimmt ab.
Die Freude an gewohnten Aktivitäten lässt nach.
Solche Veränderungen sollten nicht vorschnell als normale Alterserscheinung angesehen werden. Alter allein verursacht keine Schmerzen – ältere Hunde haben jedoch häufiger Erkrankungen, die schmerzhaft sein können.
1. Veränderungen im Bewegungsverhalten
Auffälligkeiten in der Bewegung gehören zu den häufigsten Hinweisen auf Schmerzen des Bewegungsapparates.
Achte unter anderem darauf, ob Dein Hund:
lahmt oder zeitweise „unrund“ läuft
ein Bein weniger belastet
kürzere Schritte macht
langsamer läuft als gewohnt
Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Hinlegen hat
nach Ruhephasen besonders steif wirkt
nicht mehr springen möchte
Treppen meidet
beim Einsteigen ins Auto zögert
häufiger stehen bleibt
sich im Schritt oder Trab anders bewegt
beim Sitzen ein Hinterbein seitlich herausstellt
schief sitzt oder liegt
den Rücken aufwölbt
den Kopf auffällig tief oder steif trägt
beim Laufen stolpert oder Pfoten schleifen lässt
Eine Lahmheit ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Sie kann unter anderem durch Gelenke, Knochen, Muskeln, Sehnen, Bänder, Pfoten oder neurologische Veränderungen verursacht werden.
2. Schwierigkeiten bei alltäglichen Bewegungen
Frühe Veränderungen fallen häufig nicht während des eigentlichen Spaziergangs auf, sondern bei alltäglichen Übergängen.
Beobachte beispielsweise:
Wie steht Dein Hund aus seinem Körbchen auf?
Legt er sich flüssig oder sehr vorsichtig hin?
Dreht er sich problemlos auf engem Raum?
Kann er sich wie gewohnt schütteln?
Hebt er beim Urinieren weiterhin ein Bein?
Setzt er sich gerade hin?
Steigt er freiwillig ins Auto?
Wechselt er häufig seine Liegeposition?
Rutscht er auf glatten Böden häufiger weg?
vermeidet er bestimmte Schlafplätze?
Videos aus dem Alltag können für die tierärztliche oder physiotherapeutische Beurteilung hilfreich sein. In einer Praxis bewegen sich Hunde aufgrund von Aufregung, Stress oder ungewohntem Untergrund teilweise anders als zu Hause.
3. Veränderte Körperhaltung
Schmerzen können zu Schon- und Ausgleichshaltungen führen. Dabei versucht der Hund, empfindliche Bereiche weniger zu belasten.
Mögliche Veränderungen sind:
gekrümmter oder aufgewölbter Rücken
tief getragener Kopf
angespannte Bauchmuskulatur
eingezogene Rute
breitbeiniger oder ungewöhnlich enger Stand
nach vorne oder hinten verlagerter Körperschwerpunkt
wiederholtes Entlasten einer Gliedmaße
asymmetrischer Stand
dauerhaft angespannte Muskulatur
ungewöhnlich häufiges Sitzen oder Liegen
Eine veränderte Körperhaltung zeigt jedoch nicht zuverlässig, woher die Beschwerden kommen. So kann eine Entlastung der Hinterhand beispielsweise zu einer stärkeren Belastung der Vorderhand führen. Für die Ursachensuche ist deshalb eine gründliche Untersuchung wichtig.
4. Veränderungen im Verhalten
Schmerzen wirken sich nicht nur auf die Bewegung aus. Auch das Verhalten kann sich verändern.
Mögliche Hinweise sind:
Rückzug
ungewöhnliche Anhänglichkeit
Reizbarkeit
plötzliches Knurren oder Schnappen
geringere Spielfreude
Berührungsempfindlichkeit
Ablehnung des Geschirrs
Vermeidung bestimmter Bewegungen
Unruhe
häufiges Wechseln des Liegeplatzes
Probleme, zur Ruhe zu kommen
verminderte Konzentration
geringere Belastbarkeit
veränderte Reaktion auf andere Hunde
Plötzlich auftretendes aggressives Verhalten sollte nicht vorschnell als Erziehungsproblem bewertet werden. Schmerzen, Angst und andere medizinische Ursachen müssen mitbedacht und gegebenenfalls tierärztlich abgeklärt werden.
5. Verändertes Schlaf- und Ruheverhalten
Ein Hund mit Schmerzen kann mehr schlafen, weil Bewegung anstrengender geworden ist. Andere Hunde schlafen schlechter, weil sie keine angenehme Position finden.
Auffällig können sein:
häufiges Aufstehen und erneutes Hinlegen
nächtliche Unruhe
Hecheln in Ruhe
Vermeidung bestimmter Liegepositionen
Schlafen ausschließlich auf einer Körperseite
Probleme beim Einrollen
wiederholtes Umpositionieren
plötzliches Aufschrecken
verstärkter Rückzug an ruhige Orte
Hecheln allein beweist keine Schmerzen. Es kann auch durch Wärme, Stress, Angst, körperliche Belastung, Medikamente oder internistische Erkrankungen ausgelöst werden. Neu auftretendes oder anhaltendes Hecheln in Ruhe sollte dennoch ernst genommen werden.
6. Reaktionen auf Berührungen
Manche Hunde reagieren empfindlich, wenn ein schmerzhafter Bereich berührt wird. Mögliche Reaktionen sind:
Wegdrehen des Kopfes
plötzliches Anspannen
Einfrieren
Lecken der Lefzen
Gähnen
Ausweichen
Blick zur berührenden Hand
Ohrenanlegen
Knurren oder Schnappen
Aufjaulen
Lecken oder Beknabbern einer Körperregion
Bitte versuche nicht, durch starken Druck oder wiederholtes Bewegen selbst herauszufinden, woher der Schmerz kommt. Dadurch können Beschwerden verstärkt werden. Auch ein Hund, der Schmerzen hat, darf sich verteidigen. Berührungen sollten daher vorsichtig und ohne Zwang erfolgen.
7. Veränderungen bei Futteraufnahme und Körperpflege
Schmerzen können sich auch auf scheinbar unabhängige Alltagsbereiche auswirken.
Achte darauf, ob Dein Hund:
weniger frisst
langsamer oder nur einseitig kaut
Futter fallen lässt
harte Kauartikel verweigert
den Kopf ungern zum Napf absenkt
sich weniger putzt
bestimmte Körperstellen auffällig häufig beleckt
Fellpflege oder Krallenschneiden plötzlich abwehrt
sich nicht mehr vollständig schüttelt
Veränderungen beim Fressen können unter anderem durch Zahn-, Maul-, Nacken-, Magen-Darm- oder andere Beschwerden verursacht werden und sollten tierärztlich untersucht werden.
Wie kannst Du Veränderungen sinnvoll dokumentieren?
Einzelne Momentaufnahmen sind weniger aussagekräftig als die Entwicklung über mehrere Tage. Ein kleines Schmerztagebuch kann dabei helfen, Veränderungen objektiver wahrzunehmen.
Notiere täglich:
Aktivität und Spaziergangsdauer
Schwierigkeiten beim Aufstehen
Lahmheit oder Steifheit
Treppensteigen und Einsteigen ins Auto
Schlaf und nächtliche Unruhe
Appetit
Stimmung und Sozialverhalten
besondere Belastungen
verabreichte Medikamente
auffällige Reaktionen auf Berührungen
Bewerte ausgewählte Punkte beispielsweise täglich von 0 bis 10. Wichtig ist, immer dieselben Situationen zu beobachten. Dadurch lassen sich Veränderungen im Verlauf und mögliche Reaktionen auf eine Behandlung besser beurteilen.
Für die wissenschaftlich orientierte Erfassung chronischer Schmerzen existieren außerdem standardisierte Fragebögen wie das Canine Brief Pain Inventory. Solche Instrumente ersetzen keine Untersuchung, können aber bei der Verlaufskontrolle unterstützen.
Wann solltest Du einen Tierarzttermin vereinbaren?
Eine zeitnahe tierärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn:
eine Lahmheit neu auftritt oder wiederkehrt
Dein Hund deutlich steifer wird
sich sein Verhalten ohne erkennbare Ursache verändert
er Berührungen plötzlich abwehrt
Bewegungen zunehmend schwerfallen
er nicht mehr springen oder Treppen steigen möchte
sein Appetit nachlässt
Beschwerden über mehrere Tage bestehen
bereits bekannte Schmerzen trotz Behandlung zunehmen
Du eine schmerzhafte Erkrankung vermutest
Wann handelt es sich möglicherweise um einen Notfall?
Bitte wende Dich sofort an eine Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst, wenn Dein Hund:
nach einem Unfall oder schweren Sturz Schmerzen zeigt
plötzlich nicht mehr stehen oder laufen kann
eine Gliedmaße gar nicht mehr belastet
Lähmungserscheinungen entwickelt
zusammenbricht oder deutlich geschwächt ist
einen stark aufgeblähten oder schmerzhaften Bauch hat
wiederholt erfolglos erbricht oder würgt
Atemnot oder auffällig angestrengte Atmung zeigt
sehr blasse, bläuliche oder graue Schleimhäute hat
keinen Urin absetzen kann
extreme Unruhe oder außergewöhnlich starke Schmerzen zeigt
Im Zweifel solltest Du lieber einmal zu früh tierärztlich nachfragen als eine akute Erkrankung zu übersehen.
Bitte keine Schmerzmittel für Menschen geben
Gib Deinem Hund niemals eigenständig Schmerzmittel aus der Humanmedizin. Wirkstoffe und Dosierungen, die für Menschen üblich sind, können für Hunde ungeeignet oder giftig sein. Dazu gehören beispielsweise Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen.
Auch bereits für Deinen Hund verordnete Medikamente sollten nicht ohne Rücksprache höher dosiert, kombiniert oder nach längerer Zeit erneut gegeben werden.
Welche Rolle spielt Hundephysiotherapie bei Schmerzen?
Vor Beginn einer physiotherapeutischen Behandlung sollte geklärt werden, ob eine tierärztliche Diagnose notwendig ist. Besonders bei akuten, starken oder ungeklärten Schmerzen steht zunächst die tierärztliche Untersuchung im Vordergrund.
Abhängig von Diagnose und Befund kann Hundephysiotherapie anschließend dazu beitragen:
schmerzhafte Kompensationen zu reduzieren
Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern
verspannte Muskulatur zu behandeln
geschwächte Muskulatur gezielt aufzubauen
kontrollierte Bewegungsabläufe zu fördern
die Belastbarkeit schrittweise zu verbessern
den Alltag an die Fähigkeiten des Hundes anzupassen
Die Behandlung wird individuell auf den Hund, seine Diagnose, Schmerzsymptomatik und Tagesform abgestimmt. Ein Heilversprechen kann und darf dabei nicht gegeben werden.
Fazit: Kleine Veränderungen können wichtige Hinweise sein
Schmerzen beim Hund zeigen sich nicht immer durch Jaulen oder eine deutliche Lahmheit. Häufig fallen zunächst Veränderungen bei Bewegung, Aktivität, Verhalten oder Schlaf auf.
Du kennst Deinen Hund im Alltag am besten. Wenn Dir wiederholt etwas ungewöhnlich vorkommt, solltest Du diese Beobachtung ernst nehmen. Eine frühzeitige Abklärung kann dabei helfen, die Ursache zu erkennen und Deinen Hund gezielt zu unterstützen.
Mobile Hundephysiotherapie in Bispingen und im Heidekreis
Zeigt Dein Hund Bewegungseinschränkungen, altersbedingte Beschwerden oder benötigt er nach einer tierärztlichen Diagnose physiotherapeutische Unterstützung?
Als mobile Hundephysiotherapeutin behandle ich Hunde in Bispingen, Soltau und im Heidekreis in ihrer vertrauten Umgebung. Auf Grundlage eines ausführlichen Befundes erstelle ich einen individuell angepassten Therapie- und Trainingsplan.
Du kannst mir gerne eine Terminanfrage mit einer kurzen Beschreibung der Beschwerden und vorhandenen tierärztlichen Befunden senden.
© Pfoten.Fit. Hundephysiotherapie Denise Balazs
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Ein Teil der Fotos wurde von © Deborah Schultz Fotografie erstellt und bearbeitet.
