Muskelabbau beim Seniorenhund: Ursachen, Warnzeichen und gezielte Unterstützung

Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper eines Hundes. Viele Senioren verlieren nach und nach Muskulatur, werden langsamer und benötigen länger, um aufzustehen. Ein gewisser altersbedingter Muskelabbau kann vorkommen – ein deutlicher Verlust von Muskelmasse und Kraft sollte jedoch nicht einfach als normale Alterserscheinung abgetan werden. Schmerzen, Gelenkerkrankungen, neurologische Veränderungen, chronische Erkrankungen oder eine unzureichende Nährstoffaufnahme können den Muskelabbau erheblich verstärken. Besonders wichtig ist deshalb, nicht nur das Körpergewicht, sondern auch den tatsächlichen Muskelzustand regelmäßig zu beurteilen. Ein Hund kann trotz deutlichen Muskelabbaus normalgewichtig oder sogar übergewichtig erscheinen. Die Zahl auf der Waage allein reicht daher nicht aus.

pfoten.fit. hundephysiotherapie bispingen
pfoten.fit. hundephysiotherapie bispingen

Warum ist Muskulatur für einen alten Hund so wichtig?

Muskulatur ermöglicht nicht nur Bewegung. Sie stabilisiert Gelenke und Wirbelsäule, schützt vor Stürzen und unterstützt zahlreiche körperliche Funktionen.

Eine gut erhaltene Muskulatur hilft dem Hund unter anderem:

  • sicher aufzustehen und sich hinzulegen

  • Gelenke funktionell zu stabilisieren

  • Gleichgewicht zu halten

  • Treppen und kleine Hindernisse zu bewältigen

  • längere Spaziergänge zu absolvieren

  • sich nach Krankheiten oder Operationen zu erholen

  • Körpertemperatur und Stoffwechsel zu unterstützen

  • möglichst lange selbstständig zu bleiben

Verliert ein Hund viel Muskelmasse, steigt das Risiko für Schwäche, Unsicherheit, Stürze und weitere Inaktivität.

Was bedeutet Sarkopenie?

Als Sarkopenie wird der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Muskelfunktion bezeichnet, der nicht unmittelbar durch eine andere Erkrankung verursacht wird.

Dabei können sich verändern:

  • Muskelmasse

  • Muskelkraft

  • Bewegungsleistung

  • Koordination

  • Belastbarkeit

  • Erholungsfähigkeit

Die Sarkopenie entwickelt sich meist schleichend. Häufig fällt zunächst nicht auf, dass Muskulatur verloren geht, weil sich gleichzeitig der Körperfettanteil erhöhen kann.

Sarkopenie, Kachexie und Inaktivitätsatrophie – was ist der Unterschied?

Nicht jeder Muskelabbau beim alten Hund ist eine reine Sarkopenie.

Sarkopenie

Sarkopenie bezeichnet den vorwiegend altersbedingten Muskelverlust ohne ursächliche schwere Grunderkrankung.

Kachexie

Kachexie ist ein krankheitsbedingter Verlust von Muskelmasse und häufig auch Körpergewicht. Sie kann unter anderem bei chronischen Herz-, Nieren-, Leber- oder Tumorerkrankungen auftreten.

Bei einer Kachexie reicht es nicht aus, lediglich mehr Futter anzubieten. Die zugrunde liegende Erkrankung und die damit verbundenen Stoffwechselveränderungen müssen berücksichtigt werden.

Inaktivitätsbedingter Muskelabbau

Wird ein Körperteil aufgrund von Schmerzen, Verletzung, Operation oder neurologischer Schwäche weniger benutzt, baut die dortige Muskulatur ab.

Dieser Muskelverlust kann einseitig oder regional besonders deutlich sein. Ein typisches Beispiel ist der Verlust der Oberschenkelmuskulatur nach einem Kreuzbandriss oder einer Knieoperation.

Die verschiedenen Formen können gleichzeitig auftreten. Ein alter Hund kann beispielsweise eine altersbedingte Sarkopenie haben und zusätzlich durch Arthroseschmerzen besonders viel Hinterhandmuskulatur verlieren.

Woran erkennst Du Muskelabbau?

Muskelabbau zeigt sich nicht nur daran, dass ein Hund insgesamt dünner wird.

Mögliche Veränderungen sind:

  • knochiger wirkende Wirbelsäule

  • deutlichere Schulterblätter

  • hervorstehende Beckenknochen

  • schmalere Oberschenkel

  • eingefallene Schläfen

  • dünner werdende Muskulatur am Rücken

  • asymmetrische Hinter- oder Vorderbeine

  • sichtbarer Größenunterschied zwischen beiden Oberschenkeln

  • nach unten absinkender Rücken

  • veränderte Körperhaltung

  • stärker hervortretende Knochenvorsprünge

Bei langhaarigen Hunden ist der Muskelverlust häufig schwer zu sehen. Vorsichtiges Abtasten ist deshalb besonders wichtig.

Welche funktionellen Veränderungen können auftreten?

Neben sichtbarem Muskelabbau können auffallen:

  • Schwierigkeiten beim Aufstehen

  • mehrere Versuche, um hochzukommen

  • Wegknicken der Hinterbeine

  • Ausrutschen auf glatten Böden

  • langsameres Gehen

  • kürzere Schritte

  • schnelleres Ermüden

  • häufiges Stehenbleiben

  • Probleme beim Treppensteigen

  • Schwierigkeiten beim Einsteigen ins Auto

  • unsicheres Hinsetzen

  • plötzliches Fallenlassen der Hinterhand beim Hinlegen

  • Schwierigkeiten beim Halten der Position während des Urin- oder Kotabsatzes

  • weniger Freude an längeren Spaziergängen

  • zunehmender Unterstützungsbedarf

Diese Veränderungen können durch Muskelschwäche entstehen, aber auch auf Schmerzen, Gelenkprobleme oder neurologische Erkrankungen hinweisen.

Warum reicht das Körpergewicht zur Beurteilung nicht aus?

Das Körpergewicht sagt nicht, wie viel davon aus Muskulatur und wie viel aus Fettgewebe besteht.

Ein Seniorhund kann:

  • Muskelmasse verlieren,

  • gleichzeitig Fett zunehmen

  • und dadurch auf der Waage nahezu dasselbe Gewicht behalten.

Deshalb sollten zwei verschiedene Beurteilungen vorgenommen werden:

Body Condition Score

Der Body Condition Score beurteilt vor allem die Menge des Körperfetts. Dabei werden unter anderem Rippen, Taille und Bauchlinie betrachtet und abgetastet.

Muscle Condition Score

Der Muscle Condition Score beurteilt die Muskulatur. Nach dem Schema der WSAVA wird der Muskelzustand eingeteilt in:

  • normale Muskelmasse

  • leichter Muskelverlust

  • moderater Muskelverlust

  • schwerer Muskelverlust

Beurteilt wird die Muskulatur insbesondere über:

  • Wirbelsäule

  • Schulterblätter

  • Schädel beziehungsweise Schläfenregion

  • Beckenknochen

Body Condition Score und Muscle Condition Score müssen getrennt erfasst werden. Auch ein übergewichtiger Hund kann bereits erhebliche Muskulatur verloren haben.

Welche Ursachen kann Muskelabbau beim Seniorenhund haben?

Altersbedingte Veränderungen

Mit zunehmendem Alter kann sich das Verhältnis zwischen Muskelaufbau und Muskelabbau verändern. Ältere Hunde bauen neue Muskelproteine möglicherweise weniger effizient auf und erholen sich langsamer von Belastungen.

Zusätzlich bewegen sich viele Senioren weniger. Ohne einen regelmäßigen, angemessenen Trainingsreiz wird vorhandene Muskulatur zunehmend abgebaut.

Arthrose und andere Gelenkerkrankungen

Schmerzen führen häufig dazu, dass ein Hund ein Bein weniger belastet oder sich insgesamt weniger bewegt.

Mögliche Erkrankungen sind:

  • Arthrose

  • Hüftdysplasie

  • Ellbogendysplasie

  • Kreuzbanderkrankungen

  • Patellaluxation

  • Schultererkrankungen

  • chronische Sehnenbeschwerden

Durch die Schonung nimmt die Muskulatur ab. Dadurch verliert das Gelenk wiederum einen Teil seiner funktionellen Stabilität. Es kann ein Kreislauf aus Schmerz, Inaktivität und weiterem Muskelabbau entstehen.

Erkrankungen der Wirbelsäule

Bandscheibenerkrankungen, lumbosakrale Beschwerden und andere Veränderungen der Wirbelsäule können Schmerzen, Nervenreizungen und Muskelschwäche verursachen.

Mögliche Hinweise sind:

  • aufgekrümmter Rücken

  • Schleifen der Pfoten

  • schwankende Hinterhand

  • verkürzte Schritte

  • Wegknicken

  • Berührungsempfindlichkeit

  • Probleme beim Aufstehen

  • Schwierigkeiten beim Urin- oder Kotabsatz

Neurologische Erkrankungen

Ist die Ansteuerung der Muskulatur beeinträchtigt, kann sie trotz ausreichender Fütterung abnehmen.

Mögliche Ursachen sind:

  • degenerative Myelopathie

  • Bandscheibenvorfall

  • periphere Nervenschädigung

  • Erkrankungen des Rückenmarks

  • lumbosakrale Nervenkompression

  • andere neuromuskuläre Erkrankungen

Ein asymmetrischer Muskelverlust oder eine schnelle Verschlechterung sollte besonders gründlich untersucht werden.

Chronische internistische Erkrankungen

Auch Erkrankungen außerhalb des Bewegungsapparates können zu Muskelverlust führen, zum Beispiel:

  • chronische Nierenerkrankung

  • Herzerkrankung

  • Lebererkrankung

  • Tumorerkrankung

  • chronische Magen-Darm-Erkrankung

  • Diabetes mellitus

  • hormonelle Erkrankungen

  • chronische Entzündungen

  • anhaltende Infektionen

Der Muskelabbau kann dabei durch veränderten Stoffwechsel, Entzündungsprozesse, Appetitmangel oder eine schlechtere Nährstoffaufnahme entstehen.

Medikamente

Bestimmte Medikamente können die Muskulatur beeinflussen. Eine längerfristige Behandlung mit Glukokortikoiden beziehungsweise Kortison kann beispielsweise Muskelabbau begünstigen.

Notwendige Medikamente dürfen nicht eigenständig abgesetzt werden. Besteht der Verdacht auf eine Nebenwirkung, muss die Behandlung tierärztlich überprüft werden.

Unzureichende Energie- oder Nährstoffversorgung

Muskelaufbau benötigt Energie, hochwertige Aminosäuren und eine insgesamt bedarfsdeckende Ernährung.

Mögliche Probleme sind:

  • zu geringe Futtermenge

  • verminderter Appetit

  • Kau- oder Zahnschmerzen

  • schlecht verträgliches Futter

  • einseitige selbst zusammengestellte Ration

  • unzureichende Proteinversorgung

  • Magen-Darm-Erkrankungen

  • Probleme bei Verdauung oder Nährstoffaufnahme

  • häufige Übelkeit

  • erhöhte Nährstoffverluste

Ein Seniorhund benötigt nicht automatisch ein stark proteinreduziertes Futter. Eine pauschale Proteinreduktion kann bei einem Hund mit Muskelverlust ungünstig sein. Bei bestimmten Erkrankungen muss die Menge und Art des Proteins jedoch individuell angepasst werden.

Zu wenig Bewegung

Muskulatur benötigt einen regelmäßigen Belastungsreiz. Reine Alltagsbewegung reicht bei manchen Senioren nicht mehr aus, um vorhandene Muskelmasse zu erhalten.

Eine vollständige Schonung führt häufig zu:

  • schnellerem Muskelabbau

  • schlechterer Gelenkstabilität

  • reduzierter Kondition

  • zunehmender Unsicherheit

  • geringerer Selbstständigkeit

Das bedeutet nicht, dass ein geschwächter Senior besonders intensiv trainieren sollte. Belastung und Erholung müssen individuell dosiert werden.

Wann sollte der Muskelabbau tierärztlich abgeklärt werden?

Eine Untersuchung ist besonders wichtig, wenn:

  • der Muskelverlust deutlich fortschreitet

  • Dein Hund unbeabsichtigt Gewicht verliert

  • nur eine Körperseite betroffen ist

  • ein Bein deutlich dünner wird

  • Dein Hund schlechter aufsteht

  • er häufig wegknickt oder stürzt

  • die Pfoten schleifen

  • der Appetit abnimmt

  • Erbrechen oder Durchfall auftreten

  • deutlich mehr getrunken oder uriniert wird

  • Husten oder eine verringerte Belastbarkeit auftreten

  • sich Verhalten oder Allgemeinzustand verändern

  • bekannte Erkrankungen bestehen

  • der Muskelabbau innerhalb kurzer Zeit auffällt

Muskelabbau ist keine abschließende Diagnose. Zunächst muss geklärt werden, ob eine behandelbare Ursache dahintersteckt.

Welche Untersuchungen können sinnvoll sein?

Abhängig von den weiteren Symptomen können zur Abklärung gehören:

  • allgemeine klinische Untersuchung

  • orthopädische Untersuchung

  • neurologische Untersuchung

  • Körpergewicht

  • Body Condition Score

  • Muscle Condition Score

  • Blutuntersuchung

  • Urinuntersuchung

  • Röntgenaufnahmen

  • Ultraschall

  • weiterführende Bildgebung

  • Beurteilung von Zähnen und Maulhöhle

  • Überprüfung der Futterration

  • gegebenenfalls Kotuntersuchungen

Regelmäßige Gewichtskontrollen und wiederholte Beurteilungen der Muskulatur helfen dabei, Veränderungen im Verlauf zu erkennen.

Wann ist eine schnelle Untersuchung notwendig?

Bitte lass Deinen Hund zeitnah beziehungsweise notfallmäßig untersuchen, wenn er:

  • plötzlich nicht mehr aufstehen kann

  • innerhalb kurzer Zeit deutlich schwächer wird

  • Lähmungserscheinungen entwickelt

  • wiederholt zusammenbricht

  • Atemnot oder angestrengte Atmung zeigt

  • starke Schmerzen hat

  • keinen Urin absetzen kann

  • Futter und Wasser vollständig verweigert

  • sehr blasse oder bläuliche Schleimhäute hat

  • deutlich apathisch oder desorientiert wirkt

Eine plötzliche starke Schwäche ist keine typische normale Alterserscheinung.

Kann ein alter Hund wieder Muskulatur aufbauen?

Auch ältere Hunde können auf einen passenden Trainingsreiz reagieren. Wie viel Muskelmasse aufgebaut werden kann, hängt unter anderem ab von:

  • Ursache des Muskelverlusts

  • Schmerzstatus

  • neurologischer Funktion

  • vorhandener Gelenkbeweglichkeit

  • Futteraufnahme

  • Protein- und Energieversorgung

  • Begleiterkrankungen

  • Ausgangszustand

  • Trainingsqualität

  • Regelmäßigkeit

  • Erholung

Bei fortgeschrittenen Erkrankungen besteht das realistische Ziel möglicherweise nicht in einem deutlichen Muskelzuwachs, sondern im Erhalt der vorhandenen Fähigkeiten oder einer Verlangsamung des weiteren Abbaus.

Auch kleine funktionelle Verbesserungen können für einen Seniorhund bedeutsam sein.

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Für den Erhalt von Muskulatur benötigt ein Hund ausreichend Energie und hochwertiges Protein. Gleichzeitig sollte Übergewicht vermieden werden, weil es Gelenke belastet und Bewegung erschwert.

Die passende Fütterung hängt vom individuellen Hund ab:

  • Ein übergewichtiger Hund benötigt eine kontrollierte Gewichtsreduktion, ohne unnötig Muskulatur zu verlieren.

  • Ein untergewichtiger Hund benötigt möglicherweise mehr Energie.

  • Ein Hund mit Muskelverlust benötigt ausreichend hochwertige Aminosäuren.

  • Bei Nieren-, Leber- oder anderen Erkrankungen muss die Ration individuell angepasst werden.

  • Bei Kauproblemen können Konsistenz und Futterform verändert werden.

  • Bei schlechtem Appetit müssen zunächst mögliche medizinische Ursachen behandelt werden.

Eine Gewichtsabnahme ist nicht automatisch erfolgreich, wenn gleichzeitig viel Muskulatur verloren geht.

Braucht jeder Senior ein spezielles Seniorenfutter?

Nein. Für Seniorenfutter gibt es keine einheitliche Zusammensetzung. Produkte können sich deutlich in Energie-, Protein-, Fett- und Mineralstoffgehalt unterscheiden.

Entscheidend ist, ob das Futter:

  • zum Energiebedarf passt

  • bedarfsdeckend zusammengesetzt ist

  • ausreichend hochwertiges Protein liefert

  • gut vertragen wird

  • zu vorhandenen Erkrankungen passt

  • die gewünschte Körper- und Muskelkondition unterstützt

Die Bezeichnung „Senior“ allein sagt noch nicht, ob ein Futter für den individuellen Hund geeignet ist.

Sind Nahrungsergänzungsmittel notwendig?

Nahrungsergänzungsmittel können eine passende Fütterung und einen wirksamen Trainingsreiz nicht ersetzen.

Abhängig von Ration und Erkrankung können bestimmte Ergänzungen erwogen werden. Ob sie sinnvoll sind, hängt von Produkt, Dosierung und tatsächlichem Bedarf ab.

Vorsicht ist besonders bei mehreren gleichzeitig eingesetzten Präparaten geboten. Dabei können sich Inhaltsstoffe überschneiden oder Wechselwirkungen mit Medikamenten entstehen.

Bei deutlichem Muskelabbau sollte nicht zunächst wahllos supplementiert, sondern die Ursache untersucht und die gesamte Ration überprüft werden.

Welche Rolle spielt Bewegung?

Regelmäßige Bewegung setzt einen wichtigen Reiz zum Erhalt der Muskulatur. Für Senioren ist eine Kombination aus angepasster Ausdauerbewegung und gezieltem Krafttraining häufig sinnvoll.

Mögliche Bestandteile sind:

  • regelmäßige Spaziergänge

  • kontrolliertes Gehen im Schritt

  • individuell angepasstes Muskeltraining

  • isometrische Übungen

  • sanfte Gewichtsverlagerungen

  • Aufstehen und Hinsetzen, sofern geeignet

  • langsames Rückwärtsgehen

  • Übungen auf einer niedrigen stabilen Erhöhung

  • niedrige Cavaletti

  • kontrolliertes Bergaufgehen

  • Gleichgewichts- und Koordinationsaufgaben

Nicht jede Übung ist für jeden Senioren geeignet. Bei starken Schmerzen, neurologischen Ausfällen oder deutlicher Schwäche müssen Übungen vereinfacht oder zunächst durch unterstützte Bewegung ersetzt werden.

Warum sind kurze regelmäßige Einheiten sinnvoll?

Ein alter Hund ermüdet häufig schneller und benötigt mehr Regeneration.

Mehrere kurze, qualitativ gute Einheiten sind deshalb oft besser verträglich als seltenes, langes Training.

Entscheidend ist:

  • langsame Ausführung

  • sicherer Untergrund

  • wenige saubere Wiederholungen

  • ausreichende Pausen

  • Anpassung an die Tagesform

  • Beobachtung am folgenden Tag

Training bis zur Erschöpfung ist nicht notwendig und kann den Hund überfordern.

Welche Rolle spielt Hundephysiotherapie?

Die physiotherapeutische Untersuchung hilft dabei, den Muskelverlust genauer einzuordnen und vorhandene Fähigkeiten zu beurteilen.

Untersucht werden können:

  • Gangbild

  • Körperhaltung

  • Gelenkbeweglichkeit

  • Schmerzreaktionen

  • Muskelzustand

  • Seitenunterschiede

  • Koordination

  • Pfotenstellreaktionen

  • Steh- und Gehfähigkeit

  • Belastbarkeit

  • Kompensationsmuster

Mögliche Therapieziele sind:

  • Schmerzen beeinflussen

  • Beweglichkeit erhalten

  • verspannte Muskulatur behandeln

  • geschwächte Muskulatur aktivieren

  • sicheres Stehen und Gehen fördern

  • Sturzrisiko reduzieren

  • Koordination und Körperwahrnehmung verbessern

  • Alltagshilfen auswählen

  • einen realistischen Trainingsplan erstellen

Bei sehr schwachen Hunden können zunächst unterstütztes Stehen, sanfte Gewichtsübernahme und kurze geführte Bewegungen wichtiger sein als klassische Kräftigungsübungen.

Woran erkennst Du Überforderung?

Achte während und nach dem Training auf:

  • zunehmende Lahmheit

  • häufiges Wegknicken

  • starkes Zittern

  • deutliches Hecheln

  • unsaubere Bewegungen

  • Hinsetzen oder Hinlegen

  • Verweigerung

  • zunehmende Unruhe

  • Schmerzen bei Berührung

  • stärkere Steifheit nach dem Training

  • deutlich schlechteres Laufen am folgenden Tag

  • ungewöhnlich lange Erholungszeit

Tritt eine Verschlechterung auf, sollten Umfang oder Schwierigkeit reduziert und mögliche Schmerzen beziehungsweise Erkrankungen überprüft werden.

Welche Veränderungen helfen zu Hause?

Ein sicherer Alltag kann vorhandene Kräfte erhalten und unnötige Belastung reduzieren.

Hilfreich können sein:

  • rutschfeste Teppiche und Läufer

  • gut erreichbare Ruheplätze

  • druckentlastendes, aber ausreichend stabiles Bett

  • Rampen oder flache Einstiegshilfen

  • Vermeidung unkontrollierter Sprünge

  • kontrolliertes Treppensteigen

  • gut sitzendes Brustgeschirr

  • geeignete Hinterhandtragehilfe

  • kurze Krallen

  • gekürztes Fell zwischen den Ballen

  • erhöhter Napf, wenn das Absenken des Kopfes schwerfällt

  • warme und trockene Liegeplätze

  • ausreichend Platz zum sicheren Aufstehen

Eine Tragehilfe sollte den Hund unterstützen, aber nicht vollständig hochziehen oder Druckstellen verursachen.

Wie kannst Du den Verlauf dokumentieren?

Sinnvoll sind regelmäßige Aufzeichnungen über:

  • Körpergewicht

  • Futteraufnahme

  • Body Condition Score

  • Muscle Condition Score

  • Spaziergangsdauer

  • Aufstehen und Hinlegen

  • Treppensteigen

  • Stürze oder Wegknicken

  • Medikamentengabe

  • Trainingsübungen

  • Belastbarkeit am folgenden Tag

Fotos und Videos sollten möglichst immer aus denselben Perspektiven und unter ähnlichen Bedingungen aufgenommen werden. So lassen sich schleichende Veränderungen besser erkennen.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose hängt stark von der Ursache ab.

Bei überwiegend altersbedingter Sarkopenie kann ein angepasstes Programm aus Ernährung, Schmerzmanagement und Bewegung helfen, Muskelverlust zu verlangsamen und Funktionen länger zu erhalten.

Liegt eine behandelbare Erkrankung oder eine schmerzhafte Fehlbelastung vor, kann sich die Muskulatur nach angemessener Behandlung teilweise wieder verbessern.

Bei fortschreitenden neurologischen oder schweren internistischen Erkrankungen steht möglicherweise der Erhalt von Komfort, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Vordergrund.

Das Therapieziel sollte ehrlich und regelmäßig neu bewertet werden.

Fazit: Muskelabbau ist mehr als eine Alterserscheinung

Ein älterer Hund darf langsamer werden – deutlicher Muskelabbau, zunehmende Schwäche und Schwierigkeiten beim Aufstehen sollten dennoch ernst genommen werden.

Neben altersbedingter Sarkopenie können Schmerzen, Inaktivität, neurologische Veränderungen, chronische Erkrankungen und eine ungeeignete Fütterung beteiligt sein.

Die beste Unterstützung kombiniert eine gründliche Abklärung mit ausreichender Schmerzbehandlung, bedarfsdeckender Ernährung, sicherer Alltagsgestaltung und regelmäßigem, individuell dosiertem Training.

Mobile Hundephysiotherapie für Senioren in Bispingen und im Heidekreis

Baut Dein Hund sichtbar Muskulatur ab, fällt ihm das Aufstehen schwer oder wird seine Hinterhand zunehmend schwächer?

Als mobile Hundephysiotherapeutin unterstütze ich Senioren in Bispingen, Soltau und im Heidekreis direkt in ihrer vertrauten Umgebung. Nach einer ausführlichen Befundaufnahme erstelle ich einen individuell angepassten Therapie- und Trainingsplan.

Durch meine zusätzliche Qualifikation als Tierernährungsberaterin kann bei Bedarf außerdem geprüft werden, ob die aktuelle Fütterung zum Alter, Gesundheitszustand und Muskelaufbau Deines Hundes passt.

Vorhandene tierärztliche Befunde, Blutwerte, Medikamentenpläne und Angaben zum aktuellen Futter kannst Du gerne zum Termin bereithalten.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Diagnose.

© Pfoten.Fit. Hundephysiotherapie Denise Balazs

Alle Rechte vorbehalten

Ein Teil der Fotos wurde von © Deborah Schultz Fotografie erstellt und bearbeitet.