Bandscheibenvorfall beim Hund: Symptome, Behandlung und Physiotherapie

Ein Bandscheibenvorfall kann beim Hund Rückenschmerzen, Bewegungsstörungen und im schlimmsten Fall Lähmungen verursachen. Die Beschwerden können sich schleichend entwickeln oder innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern. Besonders wichtig ist deshalb, neurologische Warnzeichen frühzeitig zu erkennen. Ein Hund, der plötzlich unsicher läuft, Pfoten schleifen lässt, nicht mehr aufstehen kann oder Probleme beim Urinabsatz entwickelt, benötigt umgehend eine tierärztliche beziehungsweise neurologische Untersuchung. Wie ein Bandscheibenvorfall behandelt wird und welche Prognose besteht, hängt unter anderem von seiner Lokalisation, der Stärke der Rückenmarkskompression, dem neurologischen Schweregrad und der Dauer der Symptome ab.

11/28/20248 min read

brown and black short coated puppy on brown wooden floor
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Welche Funktion haben die Bandscheiben?

Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbeln. Zwischen vielen Wirbelkörpern liegen Bandscheiben, die aus zwei wesentlichen Strukturen bestehen:

  • einem äußeren Faserring

  • einem gallertartigen Bandscheibenkern

Die Bandscheiben wirken als elastische Verbindung zwischen den Wirbeln. Sie ermöglichen Beweglichkeit und helfen dabei, Belastungen der Wirbelsäule abzufangen.

Verändert sich das Bandscheibengewebe degenerativ, kann sich Bandscheibenmaterial in Richtung Wirbelkanal verlagern. Dort kann es Druck auf Rückenmark oder Nervenwurzeln ausüben und zusätzlich eine Entzündungsreaktion auslösen.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden unterschiedliche Bandscheibenerkrankungen als Bandscheibenvorfall bezeichnet.

Bandscheibenextrusion

Bei einer Extrusion reißt der äußere Faserring und verändertes Material aus dem Bandscheibenkern tritt plötzlich in den Wirbelkanal aus.

Diese Form tritt häufiger bei chondrodystrophen Rassen auf und kann zu sehr plötzlich einsetzenden Beschwerden führen. In der älteren Einteilung wird sie häufig als Hansen Typ I bezeichnet.

Bandscheibenprotrusion

Bei einer Protrusion wölbt sich die Bandscheibe allmählich in den Wirbelkanal vor. Der äußere Faserring bleibt zumindest teilweise erhalten.

Diese Veränderungen entwickeln sich häufig langsamer und werden häufiger bei älteren, größeren Hunden beobachtet. Sie werden traditionell als Hansen Typ II bezeichnet.

Daneben existieren weitere Formen von Bandscheibenerkrankungen. Nicht jede plötzlich auftretende Lähmung wird durch einen klassischen kompressiven Bandscheibenvorfall verursacht. Gefäßbedingte Rückenmarksinfarkte, entzündliche Erkrankungen, Traumata oder Tumoren können ähnliche Symptome auslösen.

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Ein erhöhtes Risiko für eine frühzeitige Bandscheibendegeneration besteht besonders bei chondrodystrophen beziehungsweise kurzbeinigen Rassen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Dackel

  • Französische Bulldogge

  • Pekinese

  • Shih Tzu

  • Lhasa Apso

  • Beagle

  • Basset Hound

  • Welsh Corgi

  • American Cocker Spaniel

Bandscheibenvorfälle können jedoch grundsätzlich bei Hunden jeder Rasse und Größe auftreten. Bei größeren Hunden werden häufiger langsam fortschreitende Bandscheibenveränderungen beobachtet.

Auch eine genetische Veranlagung spielt eine wichtige Rolle. Ein Bandscheibenvorfall entsteht daher nicht einfach, weil ein Hund einmal eine Treppe benutzt oder vom Sofa gesprungen ist. Eine ungünstige Belastung kann bei einer bereits vorgeschädigten Bandscheibe möglicherweise der Auslöser für akute Symptome sein, ist aber nicht zwangsläufig die alleinige Ursache.

Welche Symptome verursacht ein Bandscheibenvorfall?

Die Symptome hängen davon ab, welcher Abschnitt der Wirbelsäule betroffen ist und wie stark Rückenmark oder Nerven beeinträchtigt werden.

Hinweise auf Schmerzen im Rücken

Mögliche Schmerzanzeichen sind:

  • aufgekrümmter Rücken

  • angespannte Bauch- und Rückenmuskulatur

  • Zittern

  • Hecheln in Ruhe

  • Bewegungsverweigerung

  • Probleme beim Hinlegen oder Aufstehen

  • Aufschreien bei bestimmten Bewegungen

  • Abwehr beim Hochheben

  • Vermeidung von Treppen und Sprüngen

  • steifer oder vorsichtiger Gang

  • häufiges Wechseln der Liegeposition

  • ungewöhnliche Unruhe

  • Berührungsempfindlichkeit am Rücken

Nicht jeder Hund jault oder zeigt eine deutliche Schmerzreaktion. Manche Hunde bewegen sich lediglich weniger oder wirken ungewöhnlich ruhig.

Hinweise auf einen Bandscheibenvorfall im Halsbereich

Bei einer Bandscheibenerkrankung der Halswirbelsäule können auftreten:

  • tief oder steif getragener Kopf

  • Vermeidung von Kopfbewegungen

  • Probleme beim Fressen vom Boden

  • Abwehr beim Anlegen von Halsband oder Geschirr

  • angespannte Halsmuskulatur

  • plötzliches Aufschreien

  • kurze oder steife Schritte der Vorderbeine

  • Lahmheit eines Vorderbeins

  • Schwäche oder Koordinationsstörungen aller vier Gliedmaßen

  • Schwierigkeiten beim Stehen oder Laufen

Ein Vorderbeinproblem muss nicht immer aus Schulter, Ellenbogen oder Pfote stammen. Auch gereizte Nervenwurzeln im Halsbereich können Schmerzen oder Lahmheiten verursachen.

Hinweise auf einen Bandscheibenvorfall im Brust- oder Lendenbereich

Typische Veränderungen können sein:

  • schwankender Gang der Hinterhand

  • Überkreuzen der Hinterbeine

  • Stolpern

  • verzögertes Aufsetzen der Pfoten

  • Schleifen der Krallen

  • Wegknicken der Hinterbeine

  • Schwierigkeiten beim Aufstehen

  • Verlust der Fähigkeit, selbstständig zu laufen

  • teilweise oder vollständige Lähmung

  • Probleme beim Urin- und Kotabsatz

Bei einer starken Schädigung kann außerdem die bewusste Wahrnehmung tiefer Schmerzreize verloren gehen. Diese Untersuchung darf ausschließlich fachgerecht durch eine Tierärztin, einen Tierarzt beziehungsweise neurologisches Fachpersonal erfolgen. Das Kneifen in Pfoten oder Zehen zu Hause ist unzuverlässig, kann Verletzungen verursachen und wertvolle Zeit kosten.

Wann ist ein Bandscheibenvorfall ein Notfall?

Bitte wende Dich sofort an eine Tierarztpraxis, Tierklinik oder den tierärztlichen Notdienst, wenn Dein Hund:

  • plötzlich nicht mehr laufen kann

  • ein oder mehrere Beine hinterherzieht

  • stark schwankt oder immer wieder umfällt

  • seine Pfoten nicht mehr korrekt aufsetzt

  • innerhalb weniger Stunden deutlich schlechter wird

  • starke, nicht kontrollierbare Schmerzen hat

  • keinen Urin absetzen kann

  • Urin unkontrolliert verliert

  • nach einem Sturz oder Unfall neurologische Ausfälle zeigt

  • Schwierigkeiten beim Atmen entwickelt

  • vollständig gelähmt wirkt

Neurologische Ausfälle sollten nicht erst über Nacht beobachtet oder zunächst ausschließlich physiotherapeutisch behandelt werden. Bei einer starken Rückenmarkskompression kann eine schnelle Diagnostik und gegebenenfalls Operation entscheidend sein.

Welche Schweregrade gibt es?

Bandscheibenvorfälle können vereinfacht in unterschiedliche neurologische Schweregrade eingeteilt werden:

  1. Schmerzen ohne erkennbare neurologische Ausfälle

  2. Koordinationsstörungen, Hund kann noch selbstständig laufen

  3. deutliche Schwäche, Hund kann nicht mehr ohne Unterstützung laufen

  4. Lähmung bei noch vorhandener tiefer Schmerzwahrnehmung

  5. Lähmung mit fehlender tiefer Schmerzwahrnehmung

Diese Einteilung dient lediglich der Orientierung. Die genaue neurologische Beurteilung muss durch eine Tierärztin, einen Tierarzt oder eine neurologische Fachabteilung erfolgen.

Der neurologische Status kann sich verändern. Ein Hund, der morgens noch laufen konnte, kann einige Stunden später stärkere Ausfälle zeigen.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert?

Zunächst erfolgt eine klinische und neurologische Untersuchung. Dabei werden unter anderem beurteilt:

  • Gangbild

  • Haltung

  • Reflexe

  • Pfotenstellreaktionen

  • Muskelspannung

  • Schmerzlokalisation

  • Funktion von Blase und Schließmuskeln

  • neurologische Lokalisation der Schädigung

Reicht ein Röntgenbild aus?

Ein normales Röntgenbild kann Hinweise auf degenerierte oder verkalkte Bandscheiben und andere Veränderungen der Wirbelsäule liefern. Es zeigt Rückenmark und ausgetretenes Bandscheibenmaterial jedoch nur unzureichend.

Ein Bandscheibenvorfall lässt sich deshalb anhand eines normalen Röntgenbildes nicht zuverlässig bestätigen oder ausschließen.

Für eine genaue Darstellung werden häufig benötigt:

  • Magnetresonanztomografie

  • Computertomografie

  • in bestimmten Fällen CT-Myelografie oder Myelografie

Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt von Lokalisation, Schweregrad und geplanter Behandlung ab.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall behandelt?

Grundsätzlich kommen eine konservative oder operative Behandlung infrage. Die Entscheidung richtet sich nach:

  • neurologischem Schweregrad

  • Schmerzintensität

  • Verlauf und Geschwindigkeit der Verschlechterung

  • Lokalisation

  • Bildgebung

  • früheren Bandscheibenvorfällen

  • Allgemeinzustand

  • Begleiterkrankungen

  • Ansprechen auf bisherige Maßnahmen

Konservative Behandlung

Eine konservative Behandlung kann besonders bei Hunden mit Schmerzen und keinen beziehungsweise nur milden neurologischen Ausfällen infrage kommen.

Sie kann umfassen:

  • konsequente Bewegungseinschränkung

  • tierärztlich verordnete Schmerzmedikamente

  • gegebenenfalls weitere Medikamente

  • kontrolliertes Management von Urin- und Kotabsatz

  • Anpassung der häuslichen Umgebung

  • individuell abgestimmte Rehabilitation

Ein zentraler Bestandteil der konservativen Behandlung ist eine ausreichend lange Aktivitätseinschränkung. Der ACVIM-Konsens empfiehlt bei akutem thorakolumbalem Bandscheibenvorfall eine mindestens vierwöchige konsequente Bewegungseinschränkung.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Hund vier Wochen vollständig bewegungslos sein soll. Es bedeutet vor allem:

  • kein Freilauf

  • kein Toben

  • keine Sprünge

  • keine Treppen

  • keine schnellen Wendungen

  • keine Spiele mit abrupten Bewegungen

  • nur kontrollierte, kurze Löserunden nach tierärztlicher Vorgabe

Wie streng die Einschränkung erfolgen muss und wann mit therapeutischen Übungen begonnen werden darf, wird individuell festgelegt.

Schmerzmittel allein reichen nicht aus. Wenn sich der Hund durch Medikamente besser fühlt und dadurch zu früh wieder belastet wird, kann dies den Heilungsverlauf gefährden.

Wann kann eine Operation notwendig sein?

Eine chirurgische Behandlung wird insbesondere in Betracht gezogen bei:

  • deutlichen oder fortschreitenden neurologischen Ausfällen

  • fehlender Gehfähigkeit

  • Lähmung

  • Verlust der tiefen Schmerzwahrnehmung

  • starken, nicht ausreichend kontrollierbaren Schmerzen

  • wiederkehrenden Beschwerden

  • fehlender Besserung unter konservativer Therapie

  • deutlicher Rückenmarkskompression in der Bildgebung

Ziel der Operation ist es, das Rückenmark beziehungsweise die betroffenen Nerven von dem komprimierenden Bandscheibenmaterial zu entlasten.

Welche Operationstechnik eingesetzt wird, hängt von der Lokalisation und Art des Bandscheibenvorfalls ab.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose hängt wesentlich vom neurologischen Schweregrad ab.

Günstiger ist sie in der Regel, wenn:

  • der Hund noch selbstständig laufen kann

  • die neurologischen Ausfälle mild sind

  • tiefe Schmerzwahrnehmung vorhanden ist

  • eine notwendige Behandlung frühzeitig erfolgt

  • keine schweren zusätzlichen Rückenmarksschäden vorliegen

Bei vollständig gelähmten Hunden ohne nachweisbare tiefe Schmerzwahrnehmung ist die Prognose vorsichtiger. Auch in diesen Fällen ist eine Erholung nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sie ist jedoch weniger sicher und kann deutlich länger dauern.

Eine exakte Prognose ist erst nach neurologischer Untersuchung und gegebenenfalls Bildgebung möglich.

Welche Rolle spielt Hundephysiotherapie?

Hundephysiotherapie kann sowohl bei konservativ behandelten als auch bei operierten Hunden eine wichtige Rolle spielen. Zeitpunkt, Intensität und Methoden müssen jedoch an die Heilungsphase und den neurologischen Status angepasst werden.

Mögliche Therapieziele sind:

  • Schmerzen und Muskelverspannungen beeinflussen

  • Gelenkbeweglichkeit erhalten

  • Muskelabbau begrenzen

  • Körperwahrnehmung fördern

  • vorhandene Bewegungsfunktionen unterstützen

  • kontrolliertes Stehen und Gehen anbahnen

  • Koordination verbessern

  • Kompensationsbelastungen reduzieren

  • Belastbarkeit schrittweise aufbauen

  • die Selbstständigkeit im Alltag fördern

Physiotherapie kann die notwendige Dekompression eines stark komprimierten Rückenmarks nicht ersetzen.

Physiotherapie in der frühen Phase

In der akuten beziehungsweise frühen postoperativen Phase können – abhängig von tierärztlicher Freigabe und Befund – unter anderem infrage kommen:

  • angepasste Lagerung

  • Unterstützung beim Positionswechsel

  • Dekubitusprophylaxe

  • vorsichtige passive Gelenkbewegung

  • sanfte Behandlung überlasteter Muskulatur

  • kontrollierte sensorische Reize

  • Unterstützung beim Stehen

  • angepasste Löserunden

  • Einweisung in Trage- und Unterstützungstechniken

  • gegebenenfalls physikalische Anwendungen

Nicht jede passive Bewegung ist automatisch sinnvoll. Bei Schmerzen, Instabilität, frischen Operationswunden oder bestimmten Begleiterkrankungen muss die Behandlung angepasst werden.

Kräftige Massagen, starkes Dehnen oder Manipulationen der Wirbelsäule sind bei einem akuten Bandscheibenvorfall nicht angezeigt.

Physiotherapie im weiteren Verlauf

Mit zunehmender Stabilität können – abhängig vom neurologischen Status – hinzukommen:

  • aktive Gewichtsübernahme

  • unterstütztes Stehen

  • kontrollierte Gewichtsverlagerungen

  • gezieltes Schritttraining

  • Koordinationsübungen

  • Training der Rumpfstabilität

  • kontrollierter Muskelaufbau

  • Anpassung von Spaziergangsdauer und Untergrund

  • später alltagsnahe Bewegungsaufgaben

Die Übungen dürfen nicht pauschal aus einem allgemeinen Trainingsplan übernommen werden. Ein Hund, der noch nicht sicher stehen kann, benötigt andere Maßnahmen als ein bereits gehfähiger Hund mit leichter Koordinationsstörung.

Ist ein Unterwasserlaufband sinnvoll?

Ein Unterwasserlaufband kann im Verlauf der Rehabilitation hilfreich sein, ist jedoch nicht in jeder Phase und nicht für jeden Hund geeignet.

Mögliche Vorteile sind:

  • Unterstützung durch den Auftrieb

  • kontrollierte Schrittfolge

  • anpassbare Geschwindigkeit

  • dosierbarer Widerstand

  • Reduktion des zu tragenden Körpergewichts

  • Förderung von Kraft und Ausdauer

Voraussetzungen sind unter anderem:

  • ausreichende medizinische Stabilität

  • verheilte Operationswunde

  • kontrollierbarer Urin- und Kotabsatz

  • geeigneter neurologischer Status

  • kein akuter Schmerz- oder Entzündungszustand

  • ausreichende Belastbarkeit von Herz und Kreislauf

  • stressarme Mitarbeit des Hundes

Schwimmen ist nicht mit Unterwasserlaufbandtraining gleichzusetzen. Beim Schwimmen ist der Bewegungsablauf schwieriger zu kontrollieren und es kann zu starken Bewegungen der Wirbelsäule kommen.

Wie hebst und trägst Du einen betroffenen Hund?

Beim Hochheben sollte der Rumpf möglichst stabil unterstützt werden.

Bei einem kleinen Hund kannst Du:

  1. eine Hand beziehungsweise einen Arm unter den Brustkorb legen,

  2. mit der anderen Hand Becken und Hinterhand unterstützen,

  3. den Hund körpernah und möglichst waagerecht anheben.

Lass die Hinterhand nicht frei herunterhängen. Vermeide ruckartige Drehungen und halte die Wirbelsäule möglichst ruhig.

Größere Hunde sollten nur mit geeigneter Hilfe und gegebenenfalls zu zweit bewegt werden. Eine Tragehilfe oder eine stabile Unterlage kann sinnvoll sein.

Was ist beim Urinabsatz zu beachten?

Hunde mit neurologischen Ausfällen können Probleme haben, ihre Blase selbstständig vollständig zu entleeren. Eine überfüllte Blase kann Schmerzen, Überdehnung und Harnwegsinfektionen begünstigen.

Mögliche Hinweise sind:

  • kein selbstständiger Urinabsatz

  • nur tropfenweiser Harnverlust

  • sehr häufiges Absetzen kleiner Mengen

  • ständig nasse Unterlage

  • angespannter oder vergrößerter Bauch

  • auffälliger Geruch oder verfärbter Urin

Unkontrollierter Harnverlust bedeutet nicht automatisch, dass sich die Blase vollständig entleert.

Wenn eine manuelle Blasenentleerung notwendig ist, muss sie Dir fachgerecht durch tierärztliches Personal gezeigt werden. Sie sollte nicht allein anhand einer schriftlichen oder allgemeinen Videoanleitung erlernt werden.

Anpassungen im Alltag

Während der Genesung können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • rutschfeste Läufer

  • Absperren von Treppen

  • Vermeidung von Sofa- und Bettsprüngen

  • ebener, gut erreichbarer Liegeplatz

  • gut sitzendes Brustgeschirr

  • kurze Wege zum Löseplatz

  • Trage- oder Unterstützungshilfe

  • gepolsterte, trockene Unterlage

  • regelmäßige Kontrolle der Haut

  • Schutz schleifender Pfoten

  • angepasstes Körpergewicht

Hilfsmittel wie Pfotenschutz, Tragegurte oder Rollwagen müssen individuell angepasst werden. Ein Rollwagen ist nicht für jeden neurologisch beeinträchtigten Hund und nicht für jede Krankheitsphase sinnvoll.

Halsband oder Geschirr?

Bei Hals- oder Rückenbeschwerden ist ein gut angepasstes Brustgeschirr meist die geeignetere Wahl. Ruckartige Zugkräfte am Halsband sollten vermieden werden.

Das Geschirr darf:

  • nicht auf die Halswirbelsäule drücken

  • nicht in den Achseln scheuern

  • die Schulterbewegung nicht unnötig behindern

  • sich bei Unterstützung nicht stark verdrehen

  • keine Druckstellen verursachen

Bei unsicheren oder gelähmten Hunden kann zusätzlich eine geeignete Hinterhand- oder Ganzkörpertragehilfe notwendig sein.

Kann man einem erneuten Bandscheibenvorfall vorbeugen?

Ein weiterer Bandscheibenvorfall lässt sich nicht sicher verhindern, weil häufig mehrere Bandscheiben degenerativ verändert sind.

Sinnvolle Maßnahmen können dennoch sein:

  • gesundes Körpergewicht

  • regelmäßige, kontrollierte Bewegung

  • gute Rumpf- und Gliedmaßenmuskulatur

  • Vermeidung unkontrollierter Sprünge

  • rutschfeste Böden

  • passende Aufstiegshilfen

  • kontrolliertes Treppenmanagement

  • geeignetes Brustgeschirr

  • langsamer Belastungsaufbau nach Ruhephasen

  • frühzeitige Reaktion auf neue Beschwerden

Vollständige dauerhafte Schonung ist nach Abschluss der Heilungsphase normalerweise nicht das Ziel. Muskulatur, Koordination und Belastbarkeit benötigen angemessene Bewegung.

Was solltest Du nicht tun?

Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall solltest Du:

  • den Hund nicht zu Testzwecken laufen lassen

  • keine Pfoten oder Zehen stark kneifen

  • keine Wirbelsäulenmanipulation durchführen lassen

  • den Rücken nicht kräftig massieren

  • keine Dehnübungen ausprobieren

  • keine menschlichen Schmerzmittel geben

  • keine alten Medikamente ohne Rücksprache verwenden

  • neurologische Ausfälle nicht abwarten

  • den Hund nicht springen oder Treppen laufen lassen

  • eine notwendige Diagnostik nicht durch alternative Anwendungen verzögern

Fazit: Neurologische Veränderungen müssen schnell abgeklärt werden

Ein Bandscheibenvorfall kann sich ausschließlich durch Schmerzen zeigen oder zu schweren neurologischen Ausfällen führen. Schwierigkeiten beim Laufen, schleifende Pfoten, Lähmungen und Probleme beim Urinabsatz sind dringende Warnzeichen.

Die Behandlung richtet sich nach dem neurologischen Schweregrad und kann konservativ oder operativ erfolgen. Physiotherapie kann die Genesung gezielt unterstützen, muss aber an Diagnose, Heilungsphase und Belastbarkeit angepasst werden.

Je früher eine Verschlechterung erkannt und fachgerecht beurteilt wird, desto schneller kann über die passende Behandlung entschieden werden.

Mobile Hundephysiotherapie nach Bandscheibenvorfall in Bispingen und im Heidekreis

Wurde bei Deinem Hund ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert oder benötigt er nach einer Operation physiotherapeutische Unterstützung?

Als mobile Hundephysiotherapeutin begleite ich Hunde in Bispingen, Soltau und im Heidekreis in ihrer vertrauten Umgebung. Nach tierärztlicher beziehungsweise neurologischer Abklärung erstelle ich einen individuell angepassten Therapie- und Trainingsplan.

Vorhandene Entlassungsberichte, MRT- oder CT-Befunde, Operationsberichte und Medikamentenpläne kannst Du gerne zum Termin bereithalten.

© Pfoten.Fit. Hundephysiotherapie Denise Balazs

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